BLOG Article 01 - Künstliche Intelligenz
Ob New-Work-Konzepte, hybride Arbeitsplätze oder nachhaltige Büroplanung – die Anforderungen an moderne Arbeitswelten steigen. Künstliche Intelligenz (KI) kann Architekten und Planer dabei unterstützen, komplexe Anforderungen effizienter, präziser und nutzerzentrierter zu denken. Nicht als Ersatz, sondern als intelligente Ergänzung. Wir zeigen praxisnahe Beispiele, Tools und Typologien, mit denen KI den Weg zur hybriden Planung bereichert.
Vom Buzzword zur Realität – KI als fester Bestandteil des Planens
KI ist längst in der Planungsrealität angekommen. Auch in der Architektur und Innenarchitektur eröffnet sie neue Möglichkeiten: von datenbasierten Lichtanalysen bis hin zu generativen Raumlayouts. Das Ziel ist nicht, kreative Arbeit zu ersetzen – sondern sie gezielt zu unterstützen, insbesondere bei Aufgaben, die wiederkehrend, datengetrieben oder technisch anspruchsvoll sind. Doch was bedeutet das konkret für die Planung von Arbeitswelten, Büros oder öffentlichen Räumen? Was gewinnen Architekturbüros und Projektentwickler, wenn sie KI aktiv in den Gestaltungsprozess integrieren?
Was genau verändert sich durch KI?
In einer Arbeitswelt, in der jede Projektphase schneller, ressourcenschonender und nutzerzentrierter werden soll, wird KI zur Kollegin mit Rechenpower. Sie analysiert Daten, erkennt Muster, berechnet Lichtverläufe oder Materialkombinationen und generiert alternative Raumkonzepte. Das heißt: KI wird dort wirksam, wo Projekte zunehmend komplex, schnell und nachhaltig gedacht werden müssen.
KI als Planungsassistent: effizienter gestalten, nachhaltiger bauen
In der Architektur unterstützt KI zunehmend bei komplexen Aufgaben – etwa bei der energieeffizienten Sanierung oder beim Entwurf smarter Gebäudehüllen. Studien zeigen, dass KI-basierte Tools Planungsprozesse beschleunigen, Routinen automatisieren und sogar Gestaltungsideen liefern: für adaptive Fassaden, optimierte Tageslichtsteuerung oder die Simulation thermischer Eigenschaften. Das Open-Source-Tool „AI4EF: Artificial Intelligence for Energy Efficiency in the Building Sector“ beispielsweise unterstützt Planer bereits bei der Entwicklung energetisch optimierter Gebäudehüllen – mit konkreten Simulationsdaten zu Lichtverhältnissen, Wärmespeicherung und Materialverhalten.
Weitere KI Tools wie:
- Spacemaker AI (Autodesk Forma) bewertet Bebauungsoptionen nach Lärm, Licht und Ausblick.
- TestFit generiert Live-Grundrisse auf Basis von Projektparametern.
- Hypar automatisiert gebäudetechnische Layouts.
Diese Tools ersetzen keine Entwürfe – aber sie schaffen fundierte Entscheidungsgrundlagen.
Typologien smarter gedacht – drei Praxisbeispiele
Was früher Tage oder Wochen dauerte, gelingt heute in Stunden: Automatische Layout-Optimierungen, 3D-Visualisierungen und smarte Raumanalysen erleichtern die Konzeptphase – besonders in der Büroplanung. Das spart Ressourcen, schafft Klarheit – und erhöht die Qualität. Drei Beispiele zeigen, wie Architekten mit Hilfe intelligenter Tools schneller zum Ergebnis kommen.- Open Space mit Akustikzonen
Großraumbüros sind oft ein Balanceakt: Offenheit auf der einen Seite, der Wunsch nach Rückzug auf der anderen. Spacemaker AI – heute als Teil von Autodesk Forma – unterstützt hier mit konkreten Daten. Das Tool analysiert Schallverläufe, Sonnenlicht, Luftströmung und Laufwege und liefert auf dieser Basis automatisch Layout-Varianten mit idealer Zonierung. Damit lassen sich beispielsweise Rückzugsbereiche, akustisch optimierte Besprechungszonen oder bewusst platzierte „laute Inseln“ gezielt integrieren – mit nachvollziehbarer Datenbasis.
- Workshop-Inseln
Das Deep-Learning-Tool iPLAN zeigt, wie aus einer einfachen Idee schnell ein valider Grundrissentwurf entsteht. Auf Basis weniger Parameter generiert iPLAN mehrere Prototyp-Grundrisse – z. B. für Meetingräume, Kollaborationsinseln oder Think Tanks. Diese dienen als Diskussionsgrundlage im Team – oder als erster Vorschlag für die Auftraggeberin. Die Planung bleibt in der Hand des Menschen, aber repetitive Aufgaben wie Raumanordnung, Zirkulationsprüfung oder Sichtachsenberechnung übernimmt die KI.
- Nachhaltige Meetingräume
Gerade bei Sanierungen oder ESG-orientierten Neubauten ist das Tool AI4EF (Artificial Intelligence for Energy Efficiency) hilfreich. Es analysiert Dämmwerte, Sonnenverläufe, Tageslichtanteile und thermisches Verhalten eines geplanten Raumes – und gibt Planern Hinweise darauf, wo mit kleinen Eingriffen große Wirkungen erzielt werden können.
Innenarchitektur: Atmosphäre trifft Algorithmus
KI verändert auch das Interior Planning – nicht in der Ästhetik, sondern im Hintergrund. Denn in der Innenarchitektur geht es um mehr als Funktion – es geht um Wirkung. Um Atmosphäre. Um das Zusammenspiel von Mensch und Raum. Und genau hier zeigt sich, wie mächtig KI als Design-Werkzeug geworden ist. Für die Innenarchitektur bedeutet das:- Personalisierte Raumgestaltung
Mithilfe von Daten zu Nutzerverhalten, Vorlieben und Gewohnheiten lassen sich passgenaue Farbpaletten, Möbelkombinationen und Raumaufteilungen entwickeln. Gerade bei userzentrierten Bürokonzepten zeigt sich das Potenzial datenbasierter Entwürfe.
- Generative Entwurfsprozesse
Ein kurzes Briefing reicht – und die KI generiert innerhalb von Sekunden multiple Designoptionen. Tools wie Midjourney oder InteriorAI erzeugen Moodboards und Farb-Typologien, die Nutzerprofile und Raumklima optimieren. Das hilft Teams bei der Ideenfindung und bietet Entscheidungsträgern echte Vergleichbarkeit.
Zaha Hadid Architects setzen KI bspw. zur Varianten-Generierung fotorealistischer Visualisierungen ein. Laut eigenen Angaben schafft dies eine Produktivitätssteigerung um bis zu 200% für Wettbewerbsentwürfe.
- Virtuelle Prototypen mit VR + KI
Durch die Verbindung von Virtual Reality mit KI entstehen Räume, die sich noch vor dem ersten physischen Element erleben lassen. Simulative Werkzeuge zur Visualisierung von Licht, Geräuschkulisse oder Laufwegen, etwa durch VR-gestützte Planungs-Umgebungen, machen Entwürfe begehbar. So lassen sich live Entscheidungen zu Materialien, Layout oder Licht treffen.
Fazit: KI verändert das Spiel – aber nicht den Spielmacher
Die Bundesarchitektenkammer bringt es auf den Punkt: „Künstliche Intelligenz kann den architektonischen Entwurfsprozess unterstützen – sie wird ihn aber nicht ersetzen. Architektur ist ein kultureller, sozialer und kreativer Prozess, der Verantwortung und Gestaltungsqualität voraussetzt.“Gute Architektur entsteht nicht durch Algorithmen – sondern durch Dialog. KI liefert fundierte Entscheidungsgrundlagen, erweitert gestalterische Optionen und beschleunigt Routineaufgaben. Doch der menschliche Blick auf Kontext, Haltung, Ästhetik und soziale Wirkung bleibt unersetzlich. Der Mensch bleibt Spielmacher – aber mit einem besseren Spielfeld.
Zugleich mahnen Verbände wie die Bundesarchitektenkammer zu Weitblick: Der Einsatz von KI braucht klare Leitlinien. Denn Architektur ist mehr als Optimierung – sie verlangt Verantwortung, Transparenz und ethisches Bewusstsein. Rechtliche Unsicherheiten, intransparente Systeme und ein möglicher Kontrollverlust müssen mitgedacht werden. Vertrauen entsteht dort, wo Mensch und Maschine gemeinsam gestalten – und der Mensch die Richtung vorgibt.
Ausblick
KI wird künftig nicht nur berechnen, sondern mitdenken. Sie wird lernen, was Nutzer brauchen, erkennen, wann Räume zu laut, zu starr oder zu anonym sind – und adaptive Möglichkeiten vorschlagen. Das ist kein Kontrollverlust, sondern eine Einladung zur Zusammenarbeit: effizienter, nutzerzentrierter, mutiger.Quellenangaben:
- AI4EF – Artificial Intelligence for Energy Efficiency in the Building Sector Forschungsprojekt zur Nutzung von KI für energieeffizientes Bauen: AI4EF: Artificial Intelligence for Energy Efficiency in the Building Sector
- Bundesarchitektenkammer (BAK): Überblick über Chancen und Herausforderungen von KI im Planungsprozess: https://bak.de/politik-und-praxis/digitalisierung/fuer-planende-digital-durchstarten/kuenstliche-intelligenz/
- Implementation of Artificial Intelligence in Interior Design Fachpublikation über den praktischen Einsatz von KI im Interior Design: Implementation of Artificial Intelligence in Interior Design (HRPUB, 2024)
- The Impact of Digital Technologies on Energy-Efficient Buildings. Studie zu digitalen Tools und ihrer Wirkung auf nachhaltige Architektur: The Impact of Digital Technologies on Energy‑Efficient Buildings (MDPI, 2024)